Ein starkes Konzert spielen Thrice am 10. März in der Essigfabrik in Köln. Zwischen Post-Hardcore, Prog und Alternative ist kein Platz für Nostalgie.

Auf Grund der hohen Nachfrage muss das Konzert im Vorfeld hochverlegt werden. Gut für Thrice, schade für alle anderen, denn mit dem Charme des altehrwürdigen Gloria kann die zwar nah am Rhein liegende, optisch aber an eine Mischung aus Industriehalle und Bierzelt erinnernde Essigfabrik nicht mithalten. Der erste Eindruck wird auch nicht besser, als der Sound beim Support Lysistrata – noch eine dieser neuen tollen Bands mit singenden Schlagzeuger*innen – dünn aus den Boxen kommt und deren Post-Hardcore-Sound größtenteils in ein breiiges Etwas verwandelt. Es spricht für das französische Trio, dass sie sich davon nicht stoppen lassen und auch unabhängig von The-Wave-Zugehörigkeit für die Zukunft des Genres stehen. Anspieltipp: Mourn, genau in der Schnittstelle zwischen dem Slowcore von Karate und der Hyperaktivität von At-The-Drive-In.

Bei Thrice ist der Sound dann besser. Alles andere wäre aber auch Frevel bei der Präzision und Souveränität mit der sich die US-Amerikaner einmal quer durch ihre Diskografie spielen. Dass das weder nach Pflichterfüllung noch nach kalter Virtuosität klingt, liegt neben der Raubein-Stimme von Frontmann Dustin Kensrue, die in nicht wenigen Momenten an The-Gaslight-Anthem-Frontmann Brian Fallon erinnert, an der Verbindung zwischen Band und Publikum. Thrice bedeutet den Menschen etwas, denen vor, aber auch denen auf der Bühne. Kensrue braucht keine Ansagen, um ein Band zwischen sich und dem Publikum zu knüpfen, es ist von Anfang an da. Bei Klassikern wie The Artist in The Ambulance oder Stare At The Sun sowieso, aber auch bei den Songs des aktuellen Albums Horizons/East, auf dem mit sieben Songs klar der Fokus liegt. Es ist kein Zufall, dass bei den Streaming-Diensten kein Track ihrer Frühphase, sondern mit Black Honey einer ihres Comeback-AlbumsTo Be Everywhere Is To Be Nowhere auf dem ersten Platz der meistgehörtesten Songs steht. Beileibe keine Selbstverständlichkeit bei einer Band, die seit den späten Neunzigern existiert und die Wucht der Anfangstage gegen Post-Rock, Alternative und alles dazwischen eingetauscht hat. Diese erfolgreiche über mehrere Alben vorangetriebene Entwicklung kann Thrice nicht hochgenug angerechnet werden, denn genau sie ist dafür verantwortlich, dass sie auch nach knapp 30 Jahren noch relevant sind und Menschen zu ihren Konzerten kommen – unabhängig von Bandjubiläen oder One-Album-Shows. Klar, Deadbolt spielen sie trotzdem als letztes, aber nicht, weil sie müssen, sondern weil sie es können.
© Fotos von Jonathan Schütz

