Für alle, denen Post-Punk zu hedonistisch geworden ist: ANGER MGMT zweites Album lässt gar nicht erst den Eindruck entstehen, dass ein Leben ohne Leid möglich ist.
Wer bei Post-Punk an Fußballtrikots, schnelle Brillen und gefeierte Glastonbury-Shows denkt, ist bei dem Trio aus Winterthur an der falschen Adresse. Zu rockig, zu sehr vom Grunge beeinflusst, zu sehr nach Lederjacke klingen sie auf Anger Is Eternal. Klar, in den 90ern hätte so einen Band noch in den Mainstream rutschen können, 2026 bleiben da nur noch kleine, miefige Kellerclubs. Alle elf Songs eint eine Form der Lebensmüdigkeit, die auch schon Ian Curtis gut gestanden hat. In seinen Texten verarbeitet Sänger Nik Petronijevic seine seit Kindheitstagen präsenten Angsterkrankungen und Depressionen, versteht sich aber – im Gegensatz zu Curtis – als Mental-Health-Aktivist, dessen Aufgabe es ist, individuelles Isolationsgefühl in ein kollektives zu verwandeln. Angefangen mit I Thought I’d Stated To Make Progress Again (entpuppt sich als Irrglaube) bis zu „All i can do is hold on“ im Emo beeinflussten Keep Trying schwingt da, wenn schon nicht Hoffnung, mindestens Überlebenswille mit. I Thought I’d Stated To Make Progress Again stellt direkt zu Anfang klar: ANGER MGMT haben seit ihrem Debüt Anger Is Energy (2023) nichts davon eingebüßt. Eher noch dazu gewonnen, hört man sich die einminütige Garage-Punk-Klatsche Cut The Rot an, der Bubonix‘ Thorsten Polomski zusätzliche Hardcore-Kredibilität verleiht. Auch in den anderen Songs quietscht, fiept und ruckelt es, dass man direkt Lust bekommt, Starkstromkabel falsch zu verknoten. Selbst wenn die Hose in einigen Songs zu sehr in der Kniekehle hängt, ist Anger Is Eternal ein gutes zweites Album von einer Band, die ein größeres Publikum verdient hätte.

Label: Noisolution
Genre: Post-Punk, Grunge, Alternative-Rock
Vergleichbar:
Hathors – Panem Et Circenses
Liiek – Living In A FictionWertung:
11/15

