Review: Zhaat – Other Prophets

Für alle, die sich fragen, wie Neurosis mit einem Post-Hardcore-Sänger klingen könnten: Eine Leipziger Band hat die Antwort.

Eine Band wie Zhaat zu kategorisieren ist zum Scheitern verurteilt, deshalb sollte klar sein, dass Neurosis und Post-Hardcore eher zur groben Vorstellung denn als passgenaue Beschreibung dient. Math, Stoner, Doom, orientalische Rhythmik – mit all diesen Einflüssen jonglieren Zhaat, die aber auch zu jung und zu neugierig sind, um nichts vom The Wave-Hype mitbekommen zu haben. Heißt aber auch: Wenn La Dispute und Touché Amoré auf der einen Seite des Post-Hardcores stehen, stehen Zhaat und ihr Debütalbum Other Prophets auf der anderen. Anders ausgedrückt, und weil jede Szene auch ein Schulhof ist: Während erstere sich die Pausenzeit damit um die Ohren schlagen, mit Händen in den Taschen welt- und selbstverdrossen durch die Gegend zu starren, kann man sich die vier Jungs von Zhaat nur als hyperaktive Rasselbande vorstellen, für die der Schulhof ein Spielplatz ist. So wie der zweite Song Kante eben klingt: Wie ein Flummi, der mit einem Affenzahn auf die Synapsen losgelassen wird und bei Unachtsamkeit droht alles, was da im Oberstübchen so angesiedelt ist, in Schutt und Asche zu legen. Maniac halt. Sie können aber auch anders, beweist der Opener Ramses: psychedelisches Intro, schleppender Doom, Klargesang. The Seer ist dann von allem etwas – mit Riffwalzen, die auch beim Desertfest für anerkennendes Kopfnicken sorgen würde. Dass Other Prophets größtenteils nicht nach Gemischtwarenladen, sondern nach einem kohärenten Album klingt, liegt auch daran, dass Zhaat die richtige Mischung finden zwischen Flummi und der Gemütlichkeit eines perfekten Stoner-Songs. Der, wie wir seit Rotor und spätestens jetzt nach dem Other Prophets abschließenden Tikal 1 wissen, nicht vieler Worte bedarf. Darf’s ein bisschen mehr sein? Ja, bitte.

Label: Noisolution
Genre: Post-Hardcore, Doom, Stoner
Vergleichbar:
Rotor – Ihre größten Erfolge
Protest The Hero – Fortress
Wertung:
11/15