Review: Red Mess – Hi-Tech Starvation

Londrina, Berlin, Seattle: Auf die geografische Veränderung folgt bei Red Mess mit ihrem dritten Album Hi-Tech Starvation die musikalische – zumindest im Kleinen.

2013 in Brasilien gegründet haben sie sich dort zu einer festen Größe in der Stoner-Rock-Underground-Szene entwickelt. Mittlerweile ist das Trio um Gitarrist Thiago Franzim, Schlagzeuger Douglas Labigalini sowie Bassist und Sänger Lucas Klepa in die deutsche Hauptstadt übergesiedelt und hat dort mit dem Label Noisolution eine neue musikalische Heimat gefunden – in der Hoffnung den Geheimtipp-Status bald hinter sich zu lassen. Das Potential dazu hätten sie: Red Mess spielen riff-basierten Kopfnicker-Stoner-Rock, den die Skatepark-Kids hören, wenn sich das Fu Manchu-Tape mal wieder im Kassettenrekorder verheddert hat. Spotify ist eh doof und Red Mess gibt es für kleines Geld bei Bandcamp. Dass deren Songs auf Hi-Tech Starvation regelmäßig die vier-Minuten-Marke knacken, kein Problem, auch weil es weniger an Psych-Ausflüge der Marke Elder als an ausladenden Gitarren-Solis liegt, die sie sich scheinbar mühelos aus dem Handgelenk schütteln. Red Mess wissen um die historischen Gegebenheiten ihres Genres und haben zugehört, als MTV mal wieder von den 90ern geredet hat. Das Flanellhemd sitzt genauso gut wie Klepas Stimme, die auch große-Alternative-Rock-Hymne kann und das direkt mit dem eröffnenden Huntress unter Beweis stellt.  Der an Royal Blood erinnernde Song ist genau der passende Opener, um mit Inexistent Color und der Riff-Walze Kind Villian diejenigen einzufangen, die denken, dass ab 400 Zuschauer*innen die Idioten kommen. Das Highlight des Albums heben sie sich für den vorletzten Song auf: Xenon verbindet Kyuss mit instrumentellen Post-Rock im Härtegrad von Russian Circles mit der Kompaktheit des Garage-Punk: Nach 02:18 Minuten ist Schluss. Das alles ändert zwar nichts daran, dass die Hochzeit des Stoner-Rock vorbei ist, dennoch: Neue Bands wie Red Mess oder die fantastischen Slomosa aus Norwegen halten das Genre am Leben.

Label: Noisolution
Genre: Stoner Rock, Grunge
Vergleichbar:
Slomosa – Slomosa
Fu Manchu – The Action Is Go
Wertung:
11/15