Releaserodeo Januar 2021

In unserem Podcast-Format setzen sich unsere Redakteure Jonathan Schütz und Alexander Loeb am jeweiligen Monatsende zusammen und diskutieren die wichtigsten neuen Alben des alternativen Musiksektors in ausführlicher Länge.

Viele haben den Jahreswechsel von 2020 zu 2021 herbeigesehnt, die Probleme des vergangenes Jahres haben sich dadurch jedoch nicht in Luft aufgelöst. Das schlägt sich auch auf “Dark”, dem dritten Album der Blackout Problems nieder, auf dem die Münchener lautstark wie nie ihre Stimme gegen Rechtspopulismus und die Klima-Krise erheben. Seinen Sound hat das Quartett zudem ebenfalls weiterentwickelt und taucht seinen hymnischen Alternative Rock nun vermehrt in elektronische Sound-Tiefen. Gleiches gilt auch für Prog-Genie Steven Wilson. Sein sechstes Soloalbum “The Future Bites” besteht erstmals zu gleichen Anteilen aus Pop und Prog. Wer hier „Ausverkauf!“ schreit, muss sich jedoch nur einmal mit dem Albumkonzept der Konsum- und Kapitalismuskritik auseinandersetzen. Ernste Themen sind den Viagra Boys auf ihrem 2018er Debütalbum noch fremd gewesen, ihren Disco-Punk greifen die Schweden auf dem Nachfolger “Welfare Jazz” nun aber zunehmend mit ernster Stimmung auf, bleiben aber noch immer die draufgängerischste Post-Punk-Band der Stunde. Im gleichen Genre sind auch Shame aus London angesiedelt, interpretieren Post-Punk jedoch als Ausdrucksmittel für die Einsamkeit innerhalb der Pandemie-Isolation. Ihr Sound kratzt daher auch vermehrt am Noiserock von Bands wie Metz. Ruppiger geht es auch wieder auf dem siebten Album von You Me At Six zugange. Nach den zuletzt poppigen Alben „Night People“ und „VI“ haben auf “Suckapunch” wieder die Gitarren die Oberhand, jedoch nicht ohne die elektronischen Experimente der vorherigen beiden Alben zu ignorieren. Ihren Sound aufgebrochen hatten Tribulation 2015 mit ihrem dritten Album „The Children Of The Night“. Anstelle von Death Metal malten die Schweden erstmals mit den Farben von Gothic Rock, jedoch nicht ohne ihre Death-Metal-Wurzeln zu vergessen. Das haben sie bis heute beibehalten, das fünfte Album “Where The Gloom Becomes Sound” zeigt jedoch wieder deutlich mehr in die Metal-Richtung. Das gilt auch erstmals für The Dirty Nil, zumindest beim vom Thrash Metal infizierten Albumopener „Doom Boy“. Der Rest vom dritten Album “Fuck Art” zeigt das kanadische Trio dagegen von der Seite, die man von ihnen gewohnt ist: hymnischer Alternative Rock zwischen Punk und Garage Rock mit einer großen Prise Selbstironie.

Unten eingebettet findet ihr den Upload auf YouTube, natürlich gibt es den Podcast aber auch wieder auf Spotify und SoundCloud.

00:00 – 01:57 Einleitung
01:58 – 11:46 Blackout Problems – “Dark”
11:47 – 21:18 Steven Wilson – “The Future Bites”
21:19 – 31:33 Viagra Boys – “Welfare Jazz”
31:34 – 42:57 Shame – “Drunk Tank Pink”
42:58 – 52:58 You Me At Six – “Suckapunch”
52:59 – 1:01:52 Tribulation – “Where The Gloom Becomes Sound”
1:01:53 – 1:09:09 The Dirty Nil – “Fuck Art”
1:09:10 – 1:11:26 Ausblick & Ausklang

Playlist zum Podcast: https://open.spotify.com/user/jonatha…