Review: Like Moths To Flames – No Eternity In Gold

Im breiten Universum der Musik hat es der Metalcore in den letzten Jahren schwer gehabt, nicht zu stagnieren und neue Zuhörer für sich zu begeistern. Dies dürfte wohl auch an den Urmitstreitern des Genres liegen: Parkway Drive warfen mit Reverence sture Breakdowntendenzen über Bord, Asking Alexandria verfolgen nun Mainstream Chartplatzierungen durch härteren Pop-Rock, und die früher hoch gelobten Memphis May Fire geben sich schrecklichem Nu-Metal Buttrock hin. Entwicklung hin oder her, was passiert mit denen, die am 2000er Sound haften geblieben sind?

Like Moths To Flames aus Ohio haben sich nach vier EPs und vier Studioalben vom Label Rise Records, welches lange den Hotspot für aufstrebende Metalcore und Post-Hardcore Projekte darstellt. Ihrerseits beschreibt das Quartett das neueste, via UNFD veröffentlichte Album, No Eternity In Gold, als etwas, das „die Stärken der Band wie nie zuvor präsentiert“. Nachdem vergangene Alben sich in schematischen Versatzstücken verloren haben, die der Musik der Gruppe zugrunde liegen, ist das fünfte Album also ein Schritt nach vorne – aber wohin?

The Anatomy of Evil teilt direkt aus und schmeißt dem Zuhörer das große 1×1 der phrygischen Breakdown Gitarren um die Ohren. Das einfache Gerüst wird aufgebrochen von sextolischen Verzierungen und Leads, die dem klassischen Post-Hardcore / Metalcore-Gewand etwas epische Züge verleihen. Im Refrain steht der Klargesang im Vordergrund; die Akkordfolgen und Melodieführungen hören sich erblüffend ähnlich zu jener Silversteins an. Im Grunde ist diese Beschreibung weitestgehend auf das Songwriting der LP zu beziehen. Herausstechend ist jedoch die eiserne Produktion, die die soliden Hooks und Harmoniewechsel der Gruppe überzeugend hervorhebt.

Zu den besten Momenten gehört wohl auch Year of the Moth (YOTM), das es sich breitbeinig in triolischen Breakdowns bequem macht und gen Ende weit mit dem Schlaghammer ausholt. Und obwohl die Band klasse Riffs in jeden Song packt, bleibt trotzdem das Gefühl, dass ein bezeichnender Eigencharakter dem Album überwiegend fernbleibt. Wären manche Übergänge und Build-Ups wie beispielsweise auf A Servant of Plague nicht so vorhersehbar, wäre No Eternity In Gold ein äußerst starkes Metalcore Album mit Mathcore Einflüssen. Im derzeitigen Gesamtbild stellt das zugängliche Demon of My Own jedoch eine gelungene Fusion härterer Breakdowns und schimmernden Synths dar und beweist die Fähigkeit der Gruppe, eingängige Nummern zwischen die brachialen Passagen zu packen.

In diesem Sinne ist das neue Like Moths To Flames Album technisch gesehen genau so mächtig wie die Werke von August Burns Red, aber nicht vollständig zu Ende gedacht: Nach mehreren Hördurchläufen schwinden die Grenzen zwischen Stücken wegen der starken Null-Null-Eins Akkorde und bieten einen konstanten Ballergenuss, der auf Bühnen definitiv herzlich empfangen würde. Dies zeigt jedoch auch erneut, wie tot diese Art von Gitarrenarbeit, und damit auch der Puls sturen Metalcores, ist. Für Fans der Gruppe ist die Versöhnung mit einem klassischen 2010er Sound wohl willkommen. Wo Zeichen der langfristigen Relevanz dieser LP wie auch die groß beworbenen einzigartigen Stärken der Band geblieben sind, bleibt jedoch fragwürdig.

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Label: UNFD
VÖ: 30.10.2020

Genre: Metalcore, Post-Hardcore, Mathcore

Vergleichbar:
Memphis May Fire – Challenger
Silverstein – This Is How The Wind Shifts

Wertung:
6/15